Führung in Zeiten von Corona

Auf Führungskräfte kommen gerade völlig neue, ungeplante, noch nie so dagewesene Herausforderungen zu. Die alten Wege sind vielleicht gerade nicht die Richtigen.

Ich glaube wirklich, dass Führungskräfte jetzt eine sehr besondere Rolle haben und auch eine große Verantwortung tragen.

Sie müssen einerseits Orientierung geben, Klarheit vermitteln, „stark sein“, und sind andererseits genauso von der Krise betroffen, wie alle.

Es ist nicht so einfach, in dieser, für uns alle völlig unbekannten Situation, eine Rolle so weiterzuführen, wie bisher.

Die Mitarbeiterinnen wissen nicht, was gilt jetzt noch in der Krise, Homeoffice ist für viele Neuland. Das Unternehmen weiß auch nicht genau, was das auf längere Sicht bedeutet, man muss also erst einmal so tun, als ob alles so weitergeht, wie bisher. Was ja vielleicht auch keine schlechte Sache ist.

Viele Unternehmen haben sehr schnell – schon vor einigen Wochen – reagiert und die Möglichkeit von Homeoffice erweitert. Andere wollten das tun, konnten aber nicht so schnell die technischen Voraussetzungen erfüllen. Homeoffice in dem Maße, wie es die Unternehmen zurzeit praktizieren, ist für alle neu.

Was also kann eine Führungskraft tun?

Seien Sie menschlich! Damit meine ich vor allem, hören Sie zu! Hören Sie, was Ihre Mitarbeiterinnen bewegt, sei es die eigentliche Arbeit betreffend, seien es allgemeine Ängste, die sich auf die Zukunft richten.

Verbreiten Sie eine positive Stimmung. Das geht natürlich nur, wenn Sie selber nicht tief in Zweifeln und negativen Emotionen gefangen sind. Aber – bemühen Sie sich für sich, und für Ihr Team, darum, in eine positive Grundstimmung zu kommen. Schauen Sie, welche Vorteile sich für Sie durch die Situation ergeben können, sowohl privat, als auch beruflich.

Wenn Sie selber sich in einer Krise befinden, suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie sprechen können, wo Sie das, was Sie belastet, loswerden können. Das können professionelle Ansprechpartner sein, Coaches, Therapeuten, Supervisoren oder einfach Ihre Freunde und Freundinnen. Nach Möglichkeit nicht Ihre Mitarbeiter.

Das heißt nicht, dass Sie Ihren Mitarbeiterinnen überhaupt keine Zweifel, keine Fragen und Schwächen zeigen dürfen. Aber dosieren Sie – niemanden ist geholfen, wenn die Chefin unter der Last zusammenbricht.

In vielen Krisen stecken ja auch Chancen. Chancen, den bis jetzt gegangenen Weg neu zu bewerten, ganz andere Lösungen zu suchen und zu finden. Und Sie als Führungskraft sind gefragt, gefragt darin, Ihren Mitarbeitern diese Fragen zu stellen, Zuversicht zu vermitteln und für Ihr Team da zu sein.

Sollen Sie die Arbeitsrhythmen Ihrer Mitarbeiterinnen kontrollieren? Da gibt es sicher keine einheitliche und nur so richtige Vorgehensweise. Fragen Sie Ihre Leute. Die eine braucht vielleicht einen etwas engeren Kontakt, vielleicht sogar jeden Morgen einen Anruf, um in die Gänge zu kommen. Der andere möchte nur zu einem festgelegten Zeitpunkt Ergebnisse abliefern müssen und organisiert sich in der Zwischenzeit selber.

Es lohnt sich auch über die Kommunikationswege nachzudenken. Vielleicht sind Sie eher jemand, die gerne Mails schreibt, aber IhreMitarbeiterin möchte lieber angerufen werden. Sprechen Sie miteinander, wollen wir telefonieren, uns per Mail abstimmen, oder ist doch ein Videocall der beste Weg, um miteinander in Verbindung zu bleiben.

Die Theorie von der situativen Führung gewinnt hier eine ganz neue Aktualität. Nutzen Sie die Zeit um Ihre Führungsarbeit zu reflektieren und neu auszurichten.

Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Sie sich aktiver als im Büroalltag, wo man sich ja oft einfach so über den Weg läuft, den Kontakt zu Ihren Mitarbeitern suchen.

Prüfen Sie die Struktur Ihres Teams! Gibt es Mitarbeiter, denen Sie schon länger neue Aufgaben zuweisen wollten? Wollen Sie Ihre Stellvertretung neu organisieren? Sollten sich die Teams anders verbinden? Muss irgendwo für Ausgleich gesorgt werden? Jetzt ist eine gute Zeit, sich und dem Team all diese Fragen zu stellen. Seien Sie klar in der Aufgabenverteilung, wenn es notwendig ist und flexibel bei der Nachverfolgung, wenn es den Mitarbeitern hilft.

Bilden Sie sich und Ihr Team weiter! Es ist eine gute Zeit, um erstens zu überlegen, welche Kompetenzen, welches Wissen darf noch wachsen, und zweitens dann die nötigen Weiterbildungen in die Wege zu leiten. Dabei können Sie entweder auf bereits vorhandene Online-Kurse zurückgreifen, oder aber Online-Trainings von ihren bekannten Trainern maßgeschneidert für Ihr Team entwickeln lassen. Oder aber – ganz altmodisch – vielleicht gibt es ja auch Fachbücher, die zu lesen sich für Sie und Ihr Team lohnt.

Auf jeden Fall ist mein Rat – stecken Sie den Kopf nicht in den Sand. Die Zeit der Beschränkungen wird irgendwann vorbei sein. Vieles wird dann anders sein in unserem Miteinander, aber manches wird auch bleiben.

Nutzen Sie die Zeit so, dass Sie im Herbst nicht denken müssen: Hätte ich doch nur…